So fraß das Google PageSpeed Module unsere Performance

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PageSpeed Module Hostertest

Neben dem PageSpeed Insights Test bietet Google auch das sogenannte Google PageSpeed Module an. Ein Setup, das Webseiten automatisch entlang der Google-Vorgaben optimiert. In unserem Test hat das Modul aber genau das Gegenteil bewirkt: Es fraß die Performance unserer Seiten gnadenlos auf. Ein Erfahrungsbericht.

Den meisten Seitenbetreibern ist er ein Begriff: der Google PageSpeed Insights Test. Er deckt zuverlässig Optimierungspotenziale der getesteten Websites auf und zeigt gleichzeitig wie man die eigene Seite optimieren kann. Damit ist er häufig eine der ersten Anlaufstellen bei der Performanceoptimierung.

Die Tipps und Hinweise, mit denen Google PageSpeed Insights den User zunächst relativ alleine lässt, setzt das Google PageSpeed Module automatisch um. Installiert man es auf dem Webserver, deckt das Programm Optimierungspotenziale also nicht nur auf, sondern setzt die Verbesserungen direkt um.

Gerade vor dem Hintergrund, dass Google vor Kurzem die Ladezeit offiziell zum Ranking-Kriterium erhoben hat, erscheint die Möglichkeit auf eine automatische Optimierung der Seite natürlich mehr als attraktiv. Das Modul wird somit zu einer vermeintlichen Geheimwaffe der Performanceoptimierung. Und auch für uns war es natürlich sehr verlockend.

Daher haben wir es vor gut einem Jahr und auf Wunsch mehrere Kunden ausführlich getestet. Unser Fazit: Für uns als Hoster macht das Modul keinen Sinn.

Projekt-Killer Komplexität

Um es kurz zu machen: Die Komplexität der Kombination aus WordPress und den vielfältigen Filtermöglichkeiten des PageSpeed Module hat die Implementierung für uns unmöglich gemacht. Wohlgemerkt: Nicht die zu komplexe Bedienung des Moduls ist Schuld, sondern die schiere Anzahl an Konfigurationsmöglichkeiten. Das Modul an sich lässt sich nämlich recht komfortabel und intuitiv bedienen.

Das Page Speed Module bietet zwei von Google vordefinierte Filtersets an: Die sogenannten Core Filter und die Optimize for Bandwidth Filter. Die Core Filter sind ein Set von Regeln, die das Google PageSpeed-Team zusammengestellt hat und von denen es annimmt, dass sie für die meisten Seiten sicher anwendbar sind. Dafür besteht allerdings keine Garantie. In das Core-Set werden immer wieder neue Filter aufgenommen, was die optimierten Seiten kontinuierlich schneller macht – zumindest theoretisch.

Das Core Filterset ist also immer up-to-date, dafür aber auch recht instabil. In der Praxis bedeutet das, dass du nach Updates die Stabilität und Ladezeit der Seite checken solltest. Ansonsten besteht die Gefahr des Seitencrashs.

Die Optimize for Bandwidth Filter bieten mehr Laufstabilität und können für noch mehr unterschiedliche Seitenarten als Standardfilterset verwendet werden.

In unserem Test haben wir hauptsächlich das stabilere Filterset verwendet, um die modulare Struktur von WordPress besser zu antizipieren. Dennoch: War das PageSpeed Module für die eine Seite richtig eingestellt, zerschoss es bei der anderen Seite das Layout oder legte wichtige Funktionen, wie den Warenkorb, lahm.

Zusätzlich zu diesen Standardsets kann jeder Nutzer seine eigene Konfiguration erstellen – ganz abhängig davon was und wie viel schon optimiert wurde. Über die Filter lassen sich beispielsweise CSS-Dokumente komprimieren (dann löscht Google Weißraum und Kommentare in den Stylesheets automatisch). Auch lassen sich die Cachezeiten einzelner Ressourcen einstellen oder Bilder in Sprites bündeln.

Genau diese Fülle an Einstellungsmöglichkeiten macht das PageSpeed Module aus Hostersicht nicht praktikabel.

Optimierung via HTML – live und über Cache

Aber wie genau funktioniert das Google PageSpeed Module? Im Prinzip werden dieselben oder sehr ähnliche Optimierungsmaßnahmen umgesetzt, wie auch von Google PageSpeed Insights empfohlen. Die Optimierungsschritte werden entweder über einen Cache oder live durchgeführt. Hierfür zieht das PageSpeed Module den HTML-Code der Seite und sucht nach Optimierungspotenzialen, die es anschließend umsetzt.

PageSpeed Module for NGINX kann mit einem Klick heruntergeladen werden.
Das Modulpaket kann über den Google-Entwicklerbereich mit einem Klick heruntergeladen werden.

Die Umsetzung der Optimierungsmaßnahmen über den Cache ist die komplexere Lösung. Denn hier muss eingestellt werden, welche Optimierungen über den Webserver und dessen Cache laufen sollen und welche vom Modul selbst durchgeführt werden sollen. Das hat zur Folge, dass die Umsetzung der Optimierungsmaßnahmen eigentlich für jede Seitenkonfiguration individuell eingestellt werden muss. 

Die Live-Variante hingegen benötigt teils enorm viel RAM und Prozessorleistung. Damit frisst die Optimierung selbst so viel Performance, dass die Seiten deutlich langsamer laden. Die Live-Optimierung ist daher entweder für sehr leistungsstarke Server oder Seiten mit nur wenigen Besuchern geeignet.

Schier unendliche Möglichkeiten

Rein rechnerisch ergeben sich aus den 50 vorhandenen Filtern sehr, sehr viele Kombinationsmöglichkeiten (eine Zahl mit 15 Nullen). Das ist natürlich grundlegend ein Vorteil, weil man sich das PageSpeed Module so konfigurieren kann, wie man es für die eigene Website benötigt. Für uns war diese Kombinationsfülle jedoch der Projekt-Killer.

PageSpeed Module Anzahl der WP Plugins
Nicht nur die Zahl der Filtermöglichkeiten im Google PageSpeed Module, auch die Fülle an verschiedenen Seitenkonfigurationen, die sich allein aus den fast 50.000 kostenlosen Plugins ergibt, stehen einer globalen Einstellung des Google PageSpeed Module im Wege.

Einzelne Seiten lassen sich ganz hervorragend über das Modul optimieren – wenn man weiß wie. Denn hier gibt es nur ein Set von Anforderungen. Als Hoster müssen wir jedoch eine ganze Fülle verschiedenster WordPress-Konfigurationen beachten. Und hier liegt der Hund begraben: Denn die Einstellung des Moduls müsste so allgemein sein, dass sowohl alle bestehenden Seiten von dieser abgedeckt werden, als auch das Gros der potenziell neuen Seiten.

Das lässt nur eine sehr geringe Zahl von möglichen Filtern übrig. Diese wiederum haben dann jedoch nur noch minimalen Einfluss auf die Seitenladezeit.

Genau das ist auch bei unserem Test geschehen. Und mehr noch: Teils wurden die Seiten durch den Einsatz des Moduls sogar langsamer.

Das Page Speed Module hat unsere Performance gefressen

Das PageSpeed Modul braucht verhältnismäßig viel Leistung. Das kann bei unseren BOXEN dazu führen, dass das Modul mehr Performance frisst, als es durch Optimierung gewinnen kann. Denn es werden zwar die Webseiteninhalte komprimiert, die Kompression wiederum benötigt aber Rechenleistung. So kann die Ladezeit der Seite insgesamt unter der Optimierung leiden. Genau das ist bei uns in einigen Fällen geschehen, vor allem wenn die Seiten unter Last getestet wurden.

Bildoptimierung geht einfacher und besser über Plugins

Besonders bei der Bildoptimierung fällt dieses Ungleichgewicht auf: WordPress Plugins konnten in unserem Test Bilder nicht nur stärker komprimieren, sondern liefen auch stabiler und verbrauchten nur einen Bruchteil der Leistung.

Zwar ist Googles Bildoptimierung im Prinzip nicht schlecht, in unserem Test ist uns jedoch aufgefallen, dass zuvor vom PageSpeed Modul optimierte Bilder im Nachhinein vom PageSpeed Test noch als optimierungswürdig bewertet wurden. Diese paradoxen Aussagen sind leider typisch für Google PageSpeed Insights.

Fazit: Unser Hosting ist der falsche Anwendungsfall für das Google PagesSpeed Module

Die beiden Projekt-Killer für die Implementierung einer zentralen Konfiguration des Google PageSpeed Module waren also die Verschiedenartigkeit der bei uns gehosteten Seiten in Kombination mit dem Leistungshunger des Moduls. Eine Implementierung auf unserem Nginx-Webserver macht daher derzeit keinen Sinn.

Für Einzelprojekte mit entsprechender Rechenpower bleibt das PageSpeed Module aber sicherlich eine Option.

Welche Erfahrungen hast du mit Googles PageSpeed Modul gemacht? Oder hast du noch Fragen zur Verwendung des Moduls? Schreib uns einen Kommentar oder kontaktiere uns einfach direkt über den Support Chat auf raidboxes.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

M
Michael Oeser

Mal wieder ein schönes Beispiel, dass man den Vorschlägen von Tante Google nicht einfach blind nachrennen sollte.

Malte
Malte

geiler Artikel danke!!!!!

Wir können die Pagespeed Insights auch überhaupt nicht leiden. Bei YouTube hatte ich mir mal vorgenommen wöchentlich ein Video zu machen in dem ich sage, dass es sch***e ist, damit ich nicht immer wieder danach gefragt werde 😀 😀

Die Geschwindigkeit sind am Ende das entscheidende, nicht die werte von Pagespeed. Und ebenso ist es bei diesem komischen Modulen so! 🙂

Gruß, Malte

J
James

seltsame Kommentare hier. Der Artikel sagt eindeutig, daß Pagespeed für Hoster ungeeignet ist, weil zu viele WordPress-Projekte berücksichtigt werden müssten und am Schluß eigentlich keine Optimierung mehr übrig bleibt. Einzelne Seiten/WordPress-Projekte können davon aber profitieren (wenn PSM auf sie angepasst wird). Also generell positiv, nur halt nicht universal einsetzbar.
Auch wenn es manchen nicht gefällt, gibt Google vor, was zu machen ist – denn wenn dein Shop bei einer Suche nicht vorne angezeigt wird, weil Google ihn schlecht bewertet, dann sind das spürbare Einbußen, die so mancher sich nicht leisten kann.

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