“Wirklich große WordPress-Projekte sind noch selten – leider”

Jan Hornung
6 Min.
Gastbeitrag TemplateMonster

WordPress hat aufgrund seiner Größe nicht nur Communities rund um die Welt entstehen lassen, sondern auch einen vollkommen neuen Markt geschaffen, auf dem sich Webdesigner, Freelancer, Agenturen und internationale Unternehmen tummeln. Wir möchten diesen Markt etwas näher beleuchten und fragen nach der Rolle, die ein einzelnes CMS im Alltag eines internationalen Marktplatzanbieters spielen kann – Andreas von TemplateMonster im Interview.

TemplateMonster bietet seit 2002 Design- und CMS-Ressourcen an, beschränkt sich dabei jedoch nicht auf WordPress. Auch Joomla, Facebook und Magento Vorlagen gehören zum Sortiment der Amerikaner. Das Unternehmen macht vor allem mit seinen Bundle- und Rabatt-Aktionen auf sich aufmerksam, hat in letzter Zeit aber auch eine Reihe von Zusatzangeboten rund um WordPress geschaffen, wie das TemplateMonster Startup Hub: Ein Onlinekurs, in dem, nach eigenen Angaben, praktisch alles vermittelt wird, um ein erfolgreiches WordPress Startup aufzubauen. Die Amerikaner scheinen also mächtig Gas in Richtung WordPress zu geben. Im Interview klären wir, was genau dahintersteckt.

Andreas, stell dich bitte kurz vor: Was hast du gelernt, was waren deine wichtigsten beruflichen Stationen und wie hat es dich zu TemplateMonster verschlagen?

Mein Name ist Andreas Steiner und ich arbeite erst seit einem halben Jahr bei TemplateMonster. Ich bin Content-Manager, bin also vor allem dafür zuständig Beiträge zum Thema WordPress zu verfassen und die wichtigen Themen der Szene im Blick zu behalten. Von Beruf bin ich eigentlich Lehrer, aber vor fast einem Jahr habe ich mich entschieden, mich in einer ganz neuen Branche auszuprobieren.

Wir möchten in diesem Interview einen Blick auf das Potenzial und die Eigenschaften des deutschen WordPress Marktes werfen. Nun macht TemplateMonster nicht nur in WordPress. Was genau sind eure Hauptgeschäftsfelder und welche Rolle spielt WordPress dabei?

Es besteht kein Zweifel daran, dass eine Gruppe von begabten Designern und Entwicklern die Online-Welt verändern kann. Unter diesem Credo ist auch TemplateMonster angetreten und ist seit über zehn Jahren auf dem Webdesign-Markt aktiv. Von Anfang an waren wir auf die schnelle und einfache Erstellung von Webseiten mithilfe von professionellen Webvorlagen ausgerichtet. Und so stellen wir bis heute erschwingliche Vorlagen zur Verfügung, die für Suchmaschinen und auf Performance optimiert sind.

Unser Team ist in dieser Zeit zu einem Kernteam erfahrener Spezialisten geworden, und unsere Produkte ermöglichen es unseren Kunden eine eigene Website von Grund auf selbst aufzubauen.

Unsere Sammlung umfasst mehr als 30.000 Vorlagen und wird monatlich mit 450-500 neuen Designs nachgefüllt. Unsere Schwerpunkte liegen in solchen Bereichen wie:

  •       Webdesign und Entwicklung
  •       E-Commerce
  •       Mobile/Responsive Entwicklung
  •       Facebook Layouts
  •       Verschieben von Inhalten
  •       Experimentelles Design und Technologien

WordPress spielt dabei eine besondere Rolle. Denn das CMS ist eine ausgezeichnete Lösung für attraktive und elegante Websites. Außerdem bieten WordPress-Themes einzigartige Designs, eine hohe Funktionalität und eine einfache Installation, was perfekt in unseren Fokusbereich, Blogging, passt. Und WordPress ist natürlich aufgrund seiner schieren Größe auf dem CMS-Markt relevant: immerhin laufen etwas mehr als 60% aller CMS-betriebenen Websites mit WordPress.

Unserer Erfahrung nach möchten immer mehr Kunden ihre Webseiten mit WordPress umsetzen. Denn ein CMS nimmt einem viel Arbeit ab und ermöglicht auch kleinen WordPress-Projekten eine Webpräsenz.

Die Fragen, die in diesem Zusammenhang am häufigsten gestellt werden sind solche nach dem Wartungsaufwand, nach Backuplösungen und nach Suchmaschinenoptimierung.

Verwendet ihr selbst WordPress und wenn ja wo und wie?

Ja, wir liegen im Trend und verwenden WordPress auch bei uns. Unser Blog wird zum Beispiel mit WordPress betrieben. Hier gehen wir auf viele Aspekte der nationalen und internationalen Webdesignbranche ein, wie aktuelle Nachrichten, Reviews der neuesten Entwicklungswerkzeuge und Geschichten aus der Szene. Als internationales Unternehmen spielt für uns dabei vor allem der modulare Aufbau von WordPress und die damit einhergehende Flexibilität eine wichtige Rolle. Wenn wir also unsere SEO-Performance verbessern möchten, finden wir sehr einfach zu bedienende und gut geschriebene Plugins, die uns einen echten Mehrwert bieten.

Als diese Zahl publiziert wurde war die Resonanz groß: 25% des gesamten Internets werden mit WordPress betrieben. Wie spiegelt sich diese Größe in eurem Tagesgeschäft?

Soweit ich mich mit der weltweiten Statistik auskenne, wurde die Zahl von 25% schon vor ein paar Jahren erwähnt. Inzwischen hat das CMS noch weiter zugelegt.

WordPress zählt bei uns zu den gefragtesten Produkten. Aus geschäftlichen Gründen darf ich hier keine genaueren Zahlen nennen. Was ich aber sagen kann, ist dass in unserem Tagesgeschäft WordPress eine noch größere Rolle spielt als die Zahl von 25% vermuten lässt.

Die Shopansicht von TemplateMonster bietet ähnliche Funktionen wie das offizielle WordPress Repository.
Die Shopansicht von TemplateMonster bietet ähnliche Funktionen wie das offizielle WordPress Repository.

Und wie sieht es auf der strategischen Ebene aus? Meint ihr, dass der WordPress Markt weiter wächst? Und wie denkt ihr wird sich das Nutzerfeld in den kommenden Jahren verändern?

Seit 2005 ist WordPress wirklich zu einem weltweiten Trend geworden. Leute interessieren sich immer mehr für dieses CMS und unserer Ansicht nach wird der WordPress-Markt weiter wachsen. Das betrifft auch Deutschland. Die Gründe für diese Popularität sind kein Geheimnis: WordPress ist leicht zugänglich, und es lässt sich mühelos installieren und steuern. Zur Arbeit mit WordPress benötigt man auch nicht unbedingt Vorkenntnisse im Webdesign.

Was unsere strategischen Pläne anbelangt, haben wir vor, uns nicht nur auf die Theme-Erstellung zu konzentrieren, sondern auch der Plugin-Entwicklung einen Impuls zu geben.

Es dürfte bald eine ganze Reihe unserer Plugins auf den Markt kommen. Wir können momentan nicht verraten, welche Produkte das sein werden, aber wir versprechen euch auf dem Laufenden zu halten.

Außerdem werden wir einen Schwerpunkt auf das Blogging setzen und uns besonders auf WordPress-Themes mit GPL-Lizenz fokussieren. In naher Zukunft wird es bei uns eine ganze Produktpalette exklusiv für Blogger geben.

Vor diesem Hintergrund: Wo denkst du liegen die größten Potenziale für Unternehmen im WordPress Markt?

Ich denke vor allem die Bedeutung von Mobilgeräten wird derzeit systematisch unterschätzt. So wie sich heutige Tendenzen interpretieren lassen, ist es wohl denkbar, dass man in ein paar Jahren auf Desktoprechner verzichtet – zumindest in bestimmten Bereichen.

Stattdessen werden User wohl mit ihren Mobilgeräten im Internet surfen und einkaufen. Dafür sind heute nicht alle Webseiten bereit. Aber mit einer WordPress-Seite und einem responsiven Theme kann man seinen Konkurrenten schon um ein paar Nasenlängen voraus sein. Ich prognostiziere daher, dass im Zuge dieser Umstellung, sei es schleichend oder ruckartig, vor allem immer mehr Unternehmen in Richtung WordPress drängen werden.

TemplateMonster drängt in Richtung WordPress: im Banner oben Werbung für die "WordPress Schule" des Unternehmens.
TemplateMonster drängt in Richtung WordPress: im Banner oben ist Werbung für die “WordPress Schule” des Unternehmens zu sehen.

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des deutschen WordPress Marktes und wie könnte man es lösen?

Eine Sache, die mir in diesem Zusammenhang etwas Sorge bereitet ist die Umsetzung von Großprojekten mit WordPress. Es gibt zwar schon Beispiele für höchst anspruchsvolle und sehr große Seiten, die erfolgreich mit WordPress umgesetzt wurden. Der Lakmustest für Deutschland steht meines Wissens aber noch aus.

Was würdest du WordPress-Einsteigern und Blogging-Neulingen im Zusammenhang mit WordPress raten?

Aller Anfang ist schwer. Wenn man seinen ersten Blog oder ein anderes Projekt mit WordPress beginnt, wird man zwangsläufig auf Hindernisse stoßen. Das sind meist typische Einsteigerfehler und man selbst ist nicht der erste, der sich mit diesen konfrontiert sieht. Meine wichtigsten Tipps lauten also: stellt Fragen, besucht Foren und hört auf die Experten und fortgeschrittenen User.

Es gibt keine dummen Fragen. Am Anfang kann es sehr schwer sein, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und mit der Kritik der erfahrenen WordPress-Nutzer klar zu kommen. Aber stellt euer Licht nicht unter den Scheffel und seht nicht das Problem, sondern die Lösung. Immer zielbewusst und positiv bleiben. Zieht es durch, und Ihr werdet nicht lange auf ein Resultat warten müssen.

Und wenn die Community einmal mal nicht weiterhelfen kann – was dann wahrscheinlich daran liegt, dass man nicht lange genug gesucht hat – oder man keine Lust auf die aufwändige Recherche hat, gibt es auch noch die Möglichkeit auf Push-Ressourcen zurückzugreifen oder sich einen professionellen Support zu leisten. Unter ersterem sind vor allem Online- und Email-Kurse zum Thema zu verstehen – auch wir bieten einen solchen Kurs und entsprechenden Support an.

RAIDBOXER der ersten Stunde und Head of Support. Auf Bar- und WordCamps spricht er am liebsten über PageSpeed und Website-Performance. Bestechen kann man ihn am besten mit einem Espresso – oder bayrischer Brezn.

Ähnliche Artikel

Kommentare zu diesem Artikel

P
Prajakta

Hallo Jan,

das Interview ist zwar lesenswert, aber ich würde gerne noch etwas dazu sagen.

Ich meine, dass es auch von dem Art des Projekts abhängt. Meiner Meinung nach bevorzugen Leute am meisten E-Commerce Plattformen wie z.B. Magento, wenn es ein E-Commerce Projekt ist, oder wenn es um E-Learning geht, bevorzugen die Benutzer ein LMS wie Moodle.

Also was denken Sie darüber?

Beste Grüße
Prajakta

Jan Hornung
Jan Hornung

Hi Prajakta,

stimmt, es gibt WordPress-Projekte für die ist WordPress nicht immer die beste Lösung. Ob ein (großes) Projekt mit WordPress umgesetzt werden kann hängt – beschränkt man sich auf die Ebene des Funktionsumfangs im CMS – aber immer vom Vorhandensein entsprechender Themes und Plugins ab. Wenn es also für bestimmte Anforderungen keine Plugins gibt oder die existierenden Lösungen bestimmte Funktionen nicht bieten, ist das Ausweichen auf andere Systeme, die diese Funktionen bieten ein logischer Schritt. Das tolle an WordPress ist aber eben auch, dass jeder die Möglichkeit hat entsprechende Lösungen zu entwickeln. Und wenn beispielsweise Automattic WooCommerce kauft, sind bestimmte, potenzielle Einflüsse auf Entwicklungstrends schön sichtbar.

Ich würde also sagen es kommt auf die Art des Projekts an und auf die Art des Dienstleisters: wenn jemand weiß wie entsprechende WordPress-Projekte, z.B. ein Shop, schnell und einfach mit WordPress umzusetzen sind, wird er oder sie es mit WordPress umsetzen. Ist der Entwickler hingegen ein Magento-Spezialist, wird er oder sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Magento einsetzen. Und ich denke Neigungen bei bestimmten WordPress-Projekten bestimmte Umsetzungslösung zu verwenden sind auch schlicht tradiert. Das muss aber nichts schlechtes sein, denn wer will schon bei Standardprojekten jedes Mal andere Umsetzungslösungen prüfen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.