Fantastische Custom Post Types und wie du sie nutzen kannst

Phillip Roth Zuletzt aktualisiert am 14.07.2021
7 Min.
Custom Post Types WordPress
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2021

Der wohl am weitesten verbreitete Custom Post Type (CPT) in WordPress ist wahrscheinlich das „Portfolio“. Neben den bekannten Post Types „Seiten“ und „Beiträge“ kannst du nämlich für verschiedenste Zwecke eigene Custom Post Types anlegen. Doch worum handelt es sich dabei? Wie erstellst du sie? Was sind spannende Einsatzzwecke und Beispiele? Ein Überblick.

Was ist ein WordPress Custom Post Type?

Du willst deine Website erweitern? Und deinen Nutzer:innen weiteren wichtigen Content für dein Business oder deine Hobby-Website bereitstellen? Dann brauchst du häufig etwas mehr als nur „Seiten“ und „Beiträge“. So willst du zum Beispiel Rezepte auf deiner Website darstellen, ein Glossar erstellen, Downloads bereitstellen, eine Mitarbeiterübersicht oder Seminare automatisch auflisten – zusätzlich zu deinen Blog-News oder zu aktuellen Beiträgen. Selbst ein Produkt in einem Webshop-Plugin ist ein Custom Post Type. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Custom Post Types:

  • Hierarchisch geordnete Custom Post Types
  • Chronologisch geordnete Custom Post Types

Beide Varianten schauen wir uns jetzt einmal an.

WordPress Dashboard mit den Custom Post Types Portfolio und Rezepte
WordPress Dashboard mit den Custom Post Types Portfolio und Rezepte

Hierarchisch geordnete Custom Post Types

Diese Art von Custom Post Types verhält sich so wie „Seiten“. Die Einträge sind im Dashboard nach Alphabet geordnet – ebenso wie die „Seiten“. Zusätzlich kann man Untereinträge zu den Haupteinträgen hinzufügen. Wie bei den „Seiten“ gibt es dann Unterseiten, die übergeordneten Seiten heißen „Eltern“ beziehungsweise „parents“.

Diese Art Custom Post Type eignet sich zum Beispiel für ein Glossar, eine Filialliste, deine Gitarrensammlung, eine Mitarbeiterliste, so etwas wie ein Wiki oder Ähnliches.

Chronologisch geordnete Custom Post Types

Du ahnst es bereits: Diese Art verhält sich so wie „Beiträge“. Die Einträge werden umgekehrt chronologisch gespeichert und sortiert, sodass die neuesten Einträge immer als Erstes erscheinen – wie in einem Blog.

Klassische Anwendungsfälle für chronologische Custom Post Types sind etwa Rezepte, ein Portfolio oder Veranstaltungen. Bei diesen macht es häufig Sinn auch Custom Taxonomien anzulegen.

Custom Taxonomien

Die Standard Taxonomien bei WordPress sind „Kategorien“ und „Schlagwörter“. Diese helfen dir, den Content weiter einzuteilen und durchsuchbar zu machen. Auch für Custom Post Types kannst du solche Taxonomien anlegen. Etwa eine Taxonomie „Zutaten“ für Rezepte, „Sänger/Band“ für Lieder oder „Verlag“ für Bücher.

Damit entstehen automatisch generierte Archiv-Seiten, auf denen man sich beispielsweise nur Bücher eines bestimmten Verlages oder nur Rezepte mit Rosenkohl anzeigen lassen kann.

Die Custom Taxonomie Zutaten
Die Custom Taxonomie Zutaten

Wie komme ich zu meinem Custom Post Type?

Es gibt verschiedenste Arten, wie man einen Custom Post Type erstellen kann, dementsprechend auch die unterschiedlichsten Herangehensweisen:

  • Ein WordPress Plugin, das einen Custom Post Type bereitstellt
  • Ein WordPress Theme, das einen Custom Post Type beinhaltet
  • Ein Plugin, mit dem ihr einen Custom Post Type erstellen könnt
  • Du erstellst selber einen Custom Post Type in einem Plugin
  • Du erstellst selber einen in einem Theme

Doch was sind jeweils die Unterschiede? Hier eine Übersicht:

Ein Plugin, das einen Custom Post Type bereitstellt

Das Vorzeige-Plugin für diesen Fall ist sicherlich so etwas wie ein Event-, Veranstaltungs- oder Terminkalender. Ein solches ist relativ kompliziert zu programmieren. Denn es muss Posts anzeigen, die in der Zukunft stattfinden, zudem musst du verschiedene Ansichten erstellen. Zusätzlich kommen noch zahlreiche Möglichkeiten und Variablen dazu, etwa die Anzeige von Veranstalter, Ort, Uhrzeit, Standort-Karte etc.

Du willst vielleicht verschiedene Ansichten anzeigen, wie eine Monatsliste oder einen richtigen Kalender. Das wird dann schnell so kompliziert, dass du es nicht wirklich selbst programmieren willst, weil dafür viel zu viel Zeit drauf geht (Glaube mir, ich habe es versucht 😀). Genauso gibt es tausende Plugins für Rezepte, Bücher, Schallplatten oder Ähnliches. Es lohnt sich also zu schauen, ob es nicht etwas gibt, was genau deinen Vorstellungen und Anforderungen entspricht.

Häufig sind diese Plugins natürlich „Lite“-Versionen. Du kannst den Funktionsumfang also gegen Bezahlung noch erweitern. Ein Beispiel wäre eine PayPal-Anbindung für deine Zoom-Yoga-Stunden oder ein Mengen-/Personenumrechner für deine Rezeptzutaten. Also schau genau hin, ob die Lite-Version das beinhaltet, was du brauchst. Vielleicht magst du ja auch etwas investieren, wenn du nicht selber eine Erweiterung programmieren willst oder kannst.

Das passende WordPress Plugin

Was wäre WordPress ohne Plugins? Über 50.000 davon gibt es im offiziellen Verzeichnis. Aber es ist wie die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, um in diesem Wust an Erweiterungen die richtigen zu finden. Dieser Artikel von Torsten Landsiedel hilft dir bei der Auswahl.

Ein Theme, das einen Custom Post Type beinhaltet

Das häufigste, was uns hier begegnet, ist sicherlich die Portfolio-Funktion, die viele Fotograf:innen, Designer:innen, Agenturen, Künstler:innen oder auch Texter:innen brauchen.

Ich sehe das immer ein wenig problematisch: Die Funktion ist natürlich mega praktisch, wenn du genau das brauchst. Aber was passiert, wenn du in drei Jahren dein Theme wechseln möchtest? Im schlimmsten Fall ist mit dem Theme-Wechsel auch dein mühsam befüllter Custom Post Type weg – und alle deine Einträge im Portfolio kannst du neu anlegen. Nur erfahrene Entwickler:innen können dann mit einem programmierten Plugin die Einträge wieder hervorholen. Dann müssen aber meistens auch die verschiedenen Archiv-Seiten wieder neu gestaltet werden etc.

Ich würde mir also genau überlegen, ob ich die Funktion des Themes benutze. Oder ob ich nicht vielleicht doch ein Plugin finde, welches das gleiche kann. Dann kannst du nach einem Theme-Wechsel weiter das Plugin benutzen – und freust dich, dass noch alle Inhalte da sind.

Ein Plugin, mit dem du selbst Custom Post Types erstellen kannst

Ja auch das gibt es. Mit einigen Tools lassen sich Custom Post Types ohne viel Aufwand erstellen und dann befüllen. Wenn du also etwas Spezielles brauchst aber nicht programmieren kannst, dann ist dies der Weg zum Erfolg. So kannst du zum Beispiel eine Sponsorenliste erstellen oder Apotheken abbilden, die einem Verbund angehören. Ebenso die Mitglieder deines Kegelclubs oder andere spezielle Dinge.

Weiter kann man sich – in Kombination mit zum Beispiel Advanced Custom Fields – die verschiedensten Anwendungen erstellen. Wie das geht, beschreibt Michael Hörnlimann sehr gut in seinem Artikel Was sind Advanced Custom Fields (ACF) in WordPress. So sieht etwa das Backend des Plugins Custom Post Type UI aus:

Das WordPress Plugin Custom Post Type UI
Das WordPress Plugin Custom Post Type UI

Ein Custom Post Type Plugin selbst erstellen

Die schönste aller Möglichkeiten ist sicherlich auch die schwerste. Ein eigenes Plugin für einen Custom Post Type zu erstellen stellt dich gleich vor zwei Hürden: „Wie programmiere ich ein Plugin?“ und „Wie programmiere ich den Custom Post Type?“. Dafür gibt es im WordPress-Universum aber tatsächlich zahlreiche einfache DIY-Anleitungen. Und mit ein bisschen Internetsuche findest du meistens sogar genau deinen eigenen Anwendungsfall.

Wenn man die verschiedenen Einstellmöglichkeiten einmal verstanden hat, dann bietet sich so die Möglichkeit, einen Custom Post Type ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wenn du dazu noch fit darin bist, Templates zu erstellen, die diesen Custom Post Type darstellen, dann sind deine Möglichkeiten unbegrenzt. In Kombination mit Gutenberg kannst du dann sehr ansprechende Einträge erstellen.

Programmierung eines Custom Post Types
Programmierung eines Custom Post Types

Einen Custom Post Type in deinem Theme erstellen

Nur der Vollständigkeit halber: Du kannst den Custom Post Type auch in deinem Theme erstellen. Das empfehle ich allerdings nicht, da dann im Fall eines Theme-Wechsels auch dein Custom Post Type verschwunden ist. Mit deinem Wissen lässt sich dieser natürlich wieder in dein neues Theme einbauen. Diesen Schritt kannst du dir aber sparen, wenn du ein Plugin benutzt.

Im Theme kannst du die Ansichten deiner CPT-Archiv und der CPT-Einzelansicht gestalten, sofern diese überhaupt ein Anpassen benötigen. Es ist ungleich komplizierter, dies mit einem Plugin zu realisieren. Dank Gutenberg kannst du aber zumindest deine Einzelansichten umfangreich selber gestalten. Mit einem einfachen Plugin wie Duplicate Post lassen sich deine Einträge dann duplizieren und für den neuen Eintrag anpassen.

Beispiele für Custom Post Types

Ein Glossar für SEO-Zwecke

Bitte diskutiere nicht mit mir, ob es SEO-technisch Sinn macht, solch eine Sammlung zu erstellen. Ich weiß tatsächlich nicht, ob das etwas bringt oder nicht, denn ich bin kein SEO-Experte 🙂.

Die Idee war damals für die verschiedenen Begriffe ein Glossar anzulegen, damit die Begriffe in der Websuche auftauchen beziehungsweise durch die interne Verlinkung auch noch an Relevanz zunehmen.

Ich habe die Anforderung mit einem hierarchischen Custom Post Type umgesetzt, für die einzelnen Begriffe. Zusätzlich habe ich eine Liste programmiert, die dann über die Buchstaben angesteuert werden kann. Es ist ein praktisches Beispiel, das sich für viele Anwendungen nutzen lässt:

Das Themen-Glossar in WordPress
Das Themen-Glossar in WordPress

Terminkalender für eine Hundeschule

Ein klassisches Beispiel für einen Terminkalender, der dann die Trainings und Workshops darstellt, die in der Zukunft stattfinden. Die Hundeführer:innen können sich so mit der einfachen Übersicht einen Termin aussuchen und buchen.

Ich habe dies mit dem Plugin Events Manager realisiert. Dieses bietet eine große Vielzahl an Möglichkeiten – tatsächlich etwas zu viele für solch eine „einfache“ Aufgabe. Aber selber programmieren wäre in diesem Fall viel zu aufwendig gewesen.

Ein Terminkalender mit WordPress
Ein Terminkalender mit WordPress

Persönliche Rezeptsammlung

Für mich selbst habe ich erst kürzlich einen chronologischen Custom Post Type für Rezepte erstellt. Es gibt Taxonomien für Anlässe und Zutaten, der Rest wurde mit Gutenberg erstellt. Die Ansicht der Archiv-Seite habe ich in dem Design meines Blogs gelassen. So musste nichts zusätzlich entwickelt werden.

Hierfür gibt es natürlich auch zahlreiche Plugins. In diesem Fall wollte ich es aber genauso haben, wie ich mir eine Rezepte-Seite vorstelle. Ich könnte mir eine ähnliche Vorgehensweise für Reiseberichte oder ein separates Fotoblog zusätzlich zu den eigenen News vorstellen.

Die Sammlung von Rezepten
Die Sammlung von Rezepten

Downloadbereich in WordPress

Für diesen Zweck wünschte sich der Kunde einen einfachen Upload im Backend für seine Downloads, chronologisch sortiert. Der PDF-Upload wurde über Advanced Custom Fields realisiert, zur automatischen Darstellung der ersten Seite als Screenshot musste ich WordPress noch programmatisch zwingen. Über die Taxonomien „Bereiche“ und „Schlagwörter“ können die Nutzer:innen zusätzlich die Downloads filtern.

Ein eigener Download-Bereich
Ein eigener Download-Bereich

Mein Fazit zu Custom Post Types

Custom Post Types ermöglichen in WordPress eine Vielzahl von Anwendungen, um deine Website zu erweitern. Mit den richtigen Tools kannst du schnell selber Custom Post Types erstellen. Wichtiger Content für deine User:innen kann mit ansprechenden Archiv-Seiten und schicken Einzelseiten dargestellt werden.

Automatisiert erstellte Archiv-Seiten ermöglichen das Filtern und Durchsuchen des Post Types. Taxonomien erweitern die Funktion der CPTs durch automatisch erstellte Archiv-Seiten für die jeweiligen Taxonomie-Begriffe. Du hast noch weitere schöne Beispiele? Dann lass es mich in den Kommentaren wissen 🙂.

Deine Fragen zu Custom Post Types

Du hast Fragen an Phillip? Oder zu den Möglichkeiten der Custom Post Types? Wir freuen uns über deinen Kommentar. Du willst über neue Beiträge rund um WordPress informiert werden? Dann folge RAIDBOXES auf TwitterFacebook oder über unseren Newsletter.

Phillip ist freiberuflicher Designer und konzipiert, gestaltet, erstellt und pflegt seit 2011 barrierefreie WordPress-Webseiten für seine Kunden in Köln. Viele Jahre hat er das WordCamp Europe mitorganisiert sowie weitere lokale WordCamps. Als Kommunikationsdesigner gestaltet Phillip auch gerne Logo, Geschäftsausstattungen und Werbemittel bis hin zu Messeständen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Hi Phillip, vielen Dank für deinen Artikel! Kannst du denn ein Plugin empfehlen, mit dem man individuelle CPTs anlegen kann? Ich würde mich sehr über einen Tipp freuen. Danke und viele Grüße Jasmina

Hallo Jasmina, das am weitesten verbreitete/beliebte ist sicherlich Custom Post Type UI, habe ich aber ehrlicherweise noch nicht gestestet, da ich meine CPTs alle selbst programmiere 🥴 — LG Phillip

Danke für deine schnelle Antwort. Okay, das mit dem selbst Programmieren werde ich wohl nicht hinbekommen 🙈 ich teste einfach ma Custom Post Type UI – LG Jasmina

W
Wolfgang Nießen

Hallo Phillip,
die Doppelpunktschreibweise ist für mich eine echte Barriere, ich habe den Artikel nicht mehr gelesen, obwohl er bestimmt interessant ist. Gibt es nicht eine andere Möglichkeit?

Viele Grüße
Stellidaura

G
Gerhard Bauer

Danke für den Post! Ich habe viele Jahre WordPress Erfahrung, aber erst in den letzten Monaten das Thema Custom Post Types und vor allen Dynamic Content für micht entdeckt. Ich baue gerade ein großes neues Projekt und verwende dort nur noch CPT, die ich mit dem JetEngine Plugin von CrocoBlock erstelle.

Damit lassen sich auch die CPTs untereinander logisch verknüpfen. zB. kann ich einen CPT “Film” und eine CPT “Darsteller” miteinander verknüpfen. Beim Darsteller werden dann alle Filme angezeigt und andersrum werden alle Darsteller unter einem Film angezeigt.

Hallo,
vielen Dank für die hilfreiche Einführung! Obwohl ich schon lange WordPress nutze, beschäftigte ich mich erst seit kurzem mit CPT.
Die Erstellung geht ja mit Plugins recht problemlos, aber wie bekomme ich die CPT- Taxonomien im Frontend angezeigt, wie zum Beispiel die Tags und Kategorien?

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